Bekanntschaft: Juan

Auf dem regelmäßigen Nachhauseweg wechsle ich immer an derselben Stelle den Bus. An der Haltestelle nahe des Estadio Nacional arbeitet auch Juan. Juan bezahlt für fünf Cordoba für andere den Bus und macht dabei 2,5 Cordoba Gewinn. Einige Busse kann man nämlich nicht mit Bargeld bezahlen, sondern nur mit Karte. So unterhalte ich mich mit Juan jeden Tag für einige Minuten (manchmal auch für Stunden, wenn die Miniroute mal nicht kommt). Von Juan bekomme ich immer die besten Tipps, zur Gesundheit, zu Nicaragua, zu Frauen, zum Essen…

Jeden Tag kann man das „¿Qué tal, hermano?“ – „Wie geht es dir, Bruder?“ erwarten. Im Notfall springt er für mich ein und bezahlt vorne den Bus – damit ich bequem hinten einsteigen kann. Auch sonst versucht er mir ständig unter die Arme zu greifen. Warte ich schon seit geraumer Zeit auf die (verdammte!) MR4, sagt er, er holt mir ganz billig ein Taxi („Mucho barato!“). Und wenn die MR4 kommt, wenn ich gerade noch zum Einkaufen im Supermarkt, um etwas einzukaufen, springt er wagemutig (und meist ohne großen Erfolg) auf die Straße, um den Busfahrer am Wegfahren zu hindern, bis ich zurückkomme.

Jetzt hat Juan auch noch sein Haus verloren. Vorher hat er 1000 Cordoba für eine Wohnung bezahlt, dann aber hat die Vermieterin das Haus verkauft. Nach neuen Wohnungen hat er auch schon gesucht, aber unter 120$ hat er nichts gefunden. Solange er kein Bett hat, schläft er an der Bushaltestelle.

Juans Traum ist es, eines Tages eine Pulperia (Kiosk) aufzumachen. Er sagt auch, er hat schon Papiere von der Polizei, dass er eine Erlaubnis hat, nur dass Geld fehlt ihm. Dass das vermutlich nicht die Knülleridee ist, weil die Nachfrage aufgrund von großer Anzahl anderer Pulperien möglicherweise sehr gering ist, sage ich nicht. Juan wird das wohl besser wissen als ich.

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