Der Telica – gleich zweimal

Zwei Personen – zwei Schreiber? Gespaltene Persönlichkeit – ein Zwillingsbruder? Oder ist alles nur erfunden? Nein, was ihr heute zu lesen bekommt, basiert auf einer Person, nämlich ich – mit zwei Erfahrungen. Ich war natürlich so verrückt und habe den Vulkan Telica, etwa 800 Meter hoch, gleich zweimal bestiegen. Wir wagen den Vergleich zwischen zwei sehr unterschiedlichen Ausflügen.

Vorgeschichte

KarteTelicaAuf dem zurücklegendem Ausflug auf den San Cristóbal hatte Martin uns vom Telica erzählt. Es sollte der schönste Vulkan Nicaraguas sein, technisch nicht sehr anspruchsvoll, aber man könne sich leicht verirren, deswegen sollte man sich unbedingt von einem Guide begleiten lassen. Papperlapapp! Wenn schon ohne Guide, dann aber richtig! Wir testen zuhause das ausgeliehene Zelt aus. Ich gehe nicht alleine, Lara und Laia, eine Spanierin, die mittlerweile schon wieder in Spanien ist, mit. Die Probleme verkleinern sich, als wir am nächsten Morgen zufällig jemanden im Bus treffen, der uns eine hochauflösende Karte geben kann. Wir werden keine Schwierigkeiten haben, den Weg zu finden.

Den Vulkan sollte ich auch das zweite Mal nicht alleine besteigen. Denn Anlass dafür war der Besuch, der unbedingt mal auf einen aktiven Vulkan steigen, einem ebenso aktiven Krater Auge in Auge gegenüber stehen und eine fabelhafte Aussicht genießen wollte. Dazu muss man mich gar nicht überreden und so machten wir an unserem zweiten Tag einen Abstecher auf den Telica.

Der Aufstieg

Die Karte half uns tatsächlich weiter. Ärgerlich war nur, dass wir am Anfang zwei Dollar zahlten, nur um durch ein paar blubbernde Schlammfelder zu laufen. Experten nennen das „Thermalquellen von San Jacinto“. Tatsächlich verirrten wir uns nicht, gerade auch weil ein paar Bauern uns bereitwillig Auskunft gaben („Ihr müsst da entlang!“, begleitet von einem Handwedeln nach Ost-West-Richtung). Genug Wasser (6 Liter) und Gewicht (5kg Kameraausstattung) hatte ich auch dabei, sodass wir gegen Nachmittag mehr oder weniger erschöpft am Krater ankamen.

Das zweite Mal war ich schlauer und wir entschlossen uns, einen anderen Weg an den Schlammpfützen vorbei einzuschlagen. Auf den ersten zwei Kilometern wurden wir sogar von einem Geländewagen mit Anhänger mitgenommen. Als wir dann von der Schotterpiste auf den Fußweg einschlugen, verlor ich ohne hilfreiche Karte den Weg – für 50 Meter – bis wir uns entschlossen, zurückzukehren und den richtigen Weg einzuschlagen. Dieses Mal trug ich weder Kamerastativ noch viel Wasser mit mir, was mir zu diesem Zeitpunkt ziemlich gut gefiel.

Auf der Spitze

Den Vulkan sind wir an einem Samstag aufgestiegen. Und am Wochenende sind nicht nur die Diskotheken voll, sondern auch die Vulkane. Gegen Abend füllte sich der Platz im alten Krater und wir waren nicht mehr alleine. Wir machten Bekanntschaft mit Yaris, der an seinen Wochenenden zusammen mit seinem Freund die Vulkane Nicaraguas hoch und runter läuft – und dabei die gleiche Kamera mit sich schleppt, die auch ich besitze. Wir machten auch schnell Bekanntschaft mit einem Fremden, der Geld für das Campieren auf dem Vulkan verlangte. Nach langer Diskussion aufgrund von mangelnden Schildern und Geldwechselproblemen gaben wir ihm anstatt 5$ nur 4$ pro Person. Abgesehen davon war die Nacht auf dem Vulkan wirklich fabelhaft, vom Sonnenuntergang über das Lagerfeuer bis hin zum Sonnenaufgang inklusive Sterne.

Tatsächlich flößte der Krater meinen Angsthasen Vorsichtigen aus Deutschland Respekt ein und wir näherten uns nur bis auf wenige Dutzende Meter dem Kraterrand (im Gegensatz zu den taffen Frauen, die öfters bis zu den Zehenspitzen am Rand eines aktiven Vulkans stehen, siehe Bilder). Nach ein paar Bildern gingen wir ins Tal zurück, das wohl mal der alte Krater gewesen sein muss. Ich hatte dieses Mal nur gute zwei Liter Wasser mitgenommen und so hockten wir in der besten Mittagssonne in einer sehr Schatten spendenden Unterkunft und nippten abwechselnd am letzten halben Liter Wasser. Schon halluzinierend stellte ich mir einen Nica vor, der eine Kühltruhe mit sich auf den Telica trägt, um Touristen Wasser zu verkaufen („¡Agua, agua, agua!“). Der Verkäufer würde näher kommen und mir ein kühles, überteuertes Bier aus seiner Kühlbox anbieten. Dann würde er 60 Cordoba pro Person Eintritt verlangen. Tatsächlich war jemand von der Finca auf der anderen Seite des Vulkans hochgekommen (das sind nur 100 Höhenmeter). Das Bier aus seiner Kühlbox war genauso echt wie seine Forderung nach 60 Cordoba als Eintritt. Wir gaben ihm zusammen 100 Cordoba und kauften ihm sogar noch ein Dosenbier ab.

Der Abstieg

Da wir im Morgengrauen aufbrachen, gestaltete sich der Abstieg als eher einfach. Yaris zeigte uns den anderen Weg, der nicht durch die Schlammtümpel von San Jacinto führt. Die letzten Meter vergingen nur langsam, wenigstens aber war es noch kühl und wir schwitzten nicht zu viel. Als wir nach etwa zwei Stunden an der Straße nach Leon auf Asphalt traten, hatte ich noch etwas mehr als zwei Liter Wasser dabei. Ich beschloss, beim nächsten Mal weniger Wasser mitzubringen.

Da wir in der Nachmittagssonne aufbrachen, gestaltete sich der Abstieg als eher schwierig. Auch dass ich zu wenig Wasser eingepackt hatte, ließ die Kehle langsam trocken werden. Das Dosenbier war da wenig hilfreich gewesen (Alkohol wirkt dehydrierend, das weiß doch jeder). Wir erreichen die Straße, doch weder an der Bushaltestelle noch im Bus wird Wasser verkauft. So fahren wir durstig nach Leon zurück und entspannen uns am Abend mit Limonade und einem weiteren kühlen Bier in der Herberge. Aber ein drittes Mal wird man mich trotzdem nicht auf den Telica zwingen können. Ich würde vorher freiwillig mitgehen.

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